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AMR mit Transportwagen: Worauf es technisch ankommt

AMR-Roboter

Fachbeitrag · Autonome Intralogistik

Der AMR fährt – aber passt auch der Transportwagen?

Ein autonomer mobiler Roboter automatisiert die Fahrt. Ob daraus ein stabiler Materialfluss entsteht, entscheidet sich jedoch häufig an Wagen, Kupplung, Lastaufnahme und Fahrweg.

Kurzantwort

Ein AMR mit Transportwagen funktioniert zuverlässig, wenn Zuglast und Gesamtgewicht, Fahrwerk, Spurverhalten, Kupplung, Schwerpunkt, Boden und Übergabepunkte als gemeinsames System ausgelegt werden. Der Roboter allein ist deshalb noch keine vollständige Transportlösung.

Warum endet autonomer Transport nicht am AMR?

Bei der Auswahl eines AMR stehen häufig Navigation, Geschwindigkeit, Flottensteuerung und mögliche Zuglast im Vordergrund. Diese Werte sind wichtig. Im realen Betrieb zieht oder bewegt der autonome Transportroboter jedoch einen Ladungsträger, der sich in Kurven, auf Schwellen und beim automatischen Koppeln beherrschbar verhalten muss.

Ein ungeeigneter Wagen kann schräg laufen, in Kurven ausscheren, zu hohe Deichselkräfte erzeugen oder an Übergängen instabil werden. Auch eine grundsätzlich passende Kupplung reicht nicht aus, wenn ihre Höhe, Geometrie oder Verriegelung nicht zum Roboter, Fahrwerk und Prozess passt.

Deshalb betrachtet MK-Lietz das AMR-Transportwagen-System von der Last bis zur Strecke. Beim autonomen Transportroboter INDUROS kommt die Roboter- und Navigationstechnik von Innok Robotics; MK-Lietz entwickelt den passenden Wagen, die Aufnahme und die mechanische Integration.

Der AMR übernimmt

  • Navigation und Positionierung
  • Hinderniserkennung und Fahrt
  • Auftrags- und Flottensteuerung
  • projektabhängige Anlagenanbindung

Der Transportwagen bestimmt mit

  • Spurverhalten und Kurvenlauf
  • Gesamtgewicht und Lastverteilung
  • Kupplungs- und Übergabeverhalten
  • Aufnahme und Sicherung des Transportguts

Die sechs entscheidenden Schnittstellen

1. Gesamtgewicht statt nur Nutzlast

Für die Auslegung zählt nicht nur das Transportgut. Wagen, Aufbau, Kupplung, Akku oder zusätzliche Funktionen erhöhen die zu bewegende Gesamtmasse. Steigungen, Anfahrvorgänge und der Rollwiderstand des Fahrwerks verändern die erforderliche Zugkraft zusätzlich.

2. Fahrwerk und Spurverhalten

Vier frei lenkende Rollen können beim manuellen Verfahren sinnvoll sein, sind gezogen aber nicht automatisch spurtreu. Für ein AMR mit Transportwagen müssen Achsgeometrie, Rollen, Radstand und Kupplungspunkt zur Strecke passen. Je nach Aufgabe kommen beispielsweise ein Drehgestell, ein Mittelrad-Fahrwerk oder ein Flipper X-Move mit 6-Rad-Fahrwerk infrage.

3. Kupplung und automatische Verriegelung

Die Kupplung muss den Wagen wiederholbar aufnehmen, während Toleranzen, Bodenunebenheiten und Winkelabweichungen berücksichtigt werden. Entscheidend sind Kupplungshöhe, Einführgeometrie, Verriegelung, Freigabe und die Kräfte beim Ziehen, Schieben oder Rangieren.

4. Lastaufnahme und Schwerpunkt

Die Ladung muss zum Prozess passen und während der Fahrt sicher geführt werden. Rungen, Aufnahmeschuhe, Behälterführungen, Regalböden oder kundenspezifische Vorrichtungen beeinflussen Schwerpunkt und Fahrzeugverhalten. MK-Lietz entwickelt dafür passende Sonderaufnahmen und Transportwagen-Ausstattungen.

5. Fahrweg, Boden und Übergänge

Hallenboden, Asphalt, Dehnfugen, Schwellen, Rampen und Entwässerungsrinnen verändern Rollwiderstand und Spurverhalten. Auch Torbereiche oder der Wechsel zwischen Innen- und Außenfläche müssen im Zusammenspiel von AMR und Wagen geprüft werden.

6. Übergabe und Prozess

Ein autonomer Transport endet nicht mit dem Ankommen. Zu klären ist, wie der Wagen beladen, erkannt, gekoppelt, abgestellt, entladen und erneut bereitgestellt wird. Erst wenn diese Schritte wiederholbar funktionieren, entsteht ein automatisierbarer Materialfluss.

Welche Daten werden für die Auslegung benötigt?

Transportgut und Wagen

  • Nutzlast und Gesamtgewicht
  • Abmessungen und Schwerpunkt
  • bestehender oder neuer Wagen
  • gewünschte Lastaufnahme

Strecke und Betrieb

  • Boden, Schwellen und Steigungen
  • Fahrbahnbreite und Wendebereich
  • Abhol- und Übergabepunkte
  • Fahrten pro Schicht und Projektstart

Bestehenden Wagen anbinden oder neu entwickeln?

Beides ist möglich. Ein vorhandener Transportwagen kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn Fahrwerk, Zustand, Lastverteilung und Kupplungsbereich geeignet sind. Vor einer Automatisierung sollte er jedoch technisch geprüft werden.

Wenn der bestehende Wagen nicht spurtreu fährt, der Kupplungspunkt ungünstig liegt oder die Lastaufnahme zu große Toleranzen erzeugt, ist ein neuer kundenspezifischer Transportwagen häufig die stabilere Systembasis.

Praxiskombination

INDUROS mit Flipper X-Move

Im Video ist der INDUROS von Innok Robotics mit einem passenden Flipper X-Move von MK-Lietz zu sehen. Es handelt sich um eine reale Kombination aus AMR, Kupplung und Transportwagen.

Praxisvideo ansehen

AMR mit Transportwagen: INDUROS und Flipper X-Move

Häufige Fragen zu AMR und Transportwagen

Kann jeder Transportwagen von einem AMR gezogen werden?

Nein. Gesamtgewicht, Rollwiderstand, Fahrwerk, Spurverhalten, Kupplung, Schwerpunkt und Fahrweg müssen technisch zur Roboterplattform und zum Prozess passen.

Warum sind vier Lenkrollen beim Ziehen kritisch?

Vier frei lenkende Rollen geben keine feste Spur vor. Der Wagen kann insbesondere in Kurven ausscheren. Eine geeignete Fahrwerksgeometrie sorgt für kontrollierteres Nachlaufverhalten.

Kann ein AMR mehrere Wagen bewegen?

Das ist projektabhängig möglich. Neben der zulässigen Zuglast müssen Zuglänge, Kurvenlauf, Kupplungen, Brems- und Sicherheitskonzept sowie die Strecke geprüft werden.

Wer liefert beim INDUROS welche Komponenten?

Innok Robotics liefert die Roboter- und Navigationstechnik. MK-Lietz entwickelt und fertigt den passenden Wagen, die Lastaufnahme sowie mechanische Kupplungs- und Adapterlösungen.

AMR-Transportaufgabe gemeinsam auslegen

Senden Sie uns Transportgut, Gewicht, Abmessungen, vorhandenen Wagen und Informationen zur Strecke. Wir prüfen die mechanische Systemintegration gemeinsam mit Innok Robotics.

Projekt technisch prüfen lassen

Autonom ist nicht immer die erste Ausbaustufe

Soll weiterhin eine Bedienperson fahren, können ein integrierter E-Antrieb oder ein separater MasterMover Elektroschlepper wirtschaftlicher sein. Für wiederkehrende fahrerlose Aufgaben bleibt INDUROS die autonome Systemoption.

Elektroschlepper, E-Wagen und AMR vergleichen →